Gregor Samarow
Kurzbiographie von Dr. Friedrich Schegk

Samarow       Bibliographie

GREGOR SAMAROW
[d.i. Johann Ferdinand Martin Oskar Meding]
1829 - 1903
(Deutschland)


Meding wurde am 11. April 1829 (nach anderen Angaben 1828) als einziger Sohn des Chef-Präsidenten der ostpreußischen Regierung in Königsberg geboren. Nach Vorbereitung auf die höhere Schule im elterlichen Hause besuchte er die Gymnasien in Marienwerder und Köslin, studierte Jura und Kameralia (Staatswissenschaften) in Königsberg, Heidelberg und Berlin. 1851 wurde er Auskultator (Referendar) am Appelationsgericht in Marienwerder, später trat er bei der Regierung zu Minden in den Verwaltungsdienst und arbeitete dann bei den Regierungen in Liegnitz, Potsdam und Düsseldorf. Zwischendurch wurde er aber von dem Ministerpräsidenten von Manteuffel in Prozeßangelegenheiten beschäftigt. Während er dafür Lob erntete, versagte er als Verwaltungsreferendar vollkommen, sodaß seine wiederholten Gesuche um Zulassung zur Referendarprüfung abgelehnt wurden. Auf Empfehlung Manteuffels gelang es ihm jedoch als Assessor und Pressereferent angestellt zu werden. In Düsseldorf war er besonders bei der Gründung des Handels- und Gewerbevereins für das Rheinland und Westfalen tätig. Da er sich nach Manteuffels Rücktritt vom Ministerposten unter dessen Nachfolger im Amt, Auerswald, für zurückgesetzt hielt, verließ er Ende 1859 den preußischen Staatsdienst und trat in die Dienste des blinden Königs Georg V. von Hannover, von dem er besonders hoch geschätzt wurde. Unter dem Ministerium Windthorst-Hammerstein wurde er Regierungsrat und Referent im Gesamtministerium mit persönlichem Vortrag beim König. Er hatte nun die Stellung, die seinem völlig unbürokratischem Wesen entsprach. Trotz des Widerstands althannoverscher Kreise, auch der Adelsfamilie von Meding, blieb er bis zum Ende des Königreiches Hannover der maßgebliche Pressesprecher der Regierung. Nach eigenen späteren Angaben wollte er 1866 einen friedlichen Ausgleich mit Preußen. In Wirklichkeit bestärkte er den König in seiner starren Haltung und folgte ihm ins Exil nach Hietzing bei Wien (Memoiren zur Zeitgeschichte 1880-84).
1867-69 fungierte Meding als inoffizieller Gesandter Georgs V. in Paris. Er wollte in Frankreich eine Welfenlegion mit hannoverschen Offizieren als Kommandanten aufbauen, die im Falle eines vorhersehbaren französisch-preußischen Krieges an der Seite Frankreichs dem König sein Reich zurückerobern sollte. Die Aktivitäten Medings trugen wesentlich zur Einziehung des Vermögens vom König von Hannover durch die preußische Regierung bei. Bezüglich der Verwendung der welfischen Gelder sprach Bismarck von "bösartigen Reptilien". Erst König Wilhelm II. von Preußen bestimmte1892 daß die Zinsen aus den Welfenfonds künftig an den Chef des Hauses Hannover gezahlt wurden.
Meding, der in Paris Beziehungen zu antipreußischen Kreisen unterhielt, lebte auf Kosten seines Königs auf "großem Fuß; noch nach 1880 liefen Prozesse wegen nicht bezahlter Mieten. Auf Veranlassung des Kronprinzen Ernst August von Hannover wurde er Anfang 1870 aus den Diensten des welfischen Herrscherhauses entlassen. Daraufhin wechselte Meding auf die preußische Seite und bot Bismarck die Preisgabe der - größtenteils von ihm selbst organisierten - Machenschaften gegen die preußische Herrschaft in Hannover an. Dem hannoverschen Königshaus galt Meding seither als charakterloser Verräter. Bismarck hingegen imponierte Medings Unverfrorenheit und erwog, ihn als Pressechef zu übernehmen, wozu es jedoch nie kam.
1873 zog Meding zunächst nach Berlin, dann kaufte er das "Alte Amtshaus" des Landrosten von Woihldenberg bei Hildesheim, wo er bis 1896 lebte. Meding, den Theodor Lessing als den unbürgerlichsten Mann, dem er je begegnet sei, geschildert hat (Einmal und nicht wieder 1935), hatte überhaupt kein Verhältnis zum Geld. Obwohl er zeitweise über immense Einnahmen verfügte, wuchs sein Schuldenberg. Seine Gesandtenpension wurde für dauernd verpfändet, den Lebensunterhalt mußte nun Meding durch seine Schriftstellerei bestreiten. 1896 kam es zum Konkurs und Verkauf seines Hauses auf dem Wohldenberg und er zog nach Charlottenburg, wo er am 11. Juli 1903 verstarb.

Gregor Samarow gehört zu den Autoren, die sich mit dem Memoirenroman ein Publikum eroberten. Gerade die immer wieder verwandten und kaum nachprüfbaren anekdotischen Details reizten das Publikum zur Lektüre dieser Bücher, von denen man sich die Enthüllung lange verborgen gehaltener politischen Geheimnisse versprach. In seinem vierbändigen Roman Szepter und Krone (1872) enthüllte er als Parteigänger König Georgs von Hannover die Hannoversche Katastrophe des Jahres 1866. Samarow ließ außer König Georg den König Wilhelm von Preußen, Napoleon III. und Bismarck erstaunlich lebensnah auftreten. Der unerwartete Erfolg seiner Geschichtsreportage veranlaßte ihn zu vier Fortsetzungen dieser zeitgeschichtlichen Darstellung in Romanform. Europäische Minen und Gegenminen (1873-1875), Zwei Kaiserkronen (1875), Kreuz und Schwert (1875-1876) und Held und Kaiser (1876). Daneben schrieb Samarow einen ganzen Zyklus russischer Romane, die von der Zeit der Zarin Elisabeth bis in die Gegenwart reichte und mehr als zwanzig Bände umfaßte.
Im Gegensatz zu Sir John Retcliffe (d.i.Hermann Goedsche) nahm es Samarow, dessen Liebesszenen schwer zu ertragen sind, mit der historischen Treue nicht sonderlich genau. Seine Stärke waren die Dialoge, vor allem die politischen Debatten. Die zahlreichen Produkte seiner starken Schaffenskraft erschienen unter immer neuen Pseudonymen wie Detlev von Geyern, Leo Warren, Kurt von Walfeld. Als Feuilletonist benutze er den Decknamen Paul von Weiler. Daneben war er ein reger Mitarbeiter der von Friedrich Hackländer gegründeten Familienzeitschrift Über Land und Meer, die sich einer der meistgelesenen Zeitschriften Deutschlands überhaupt entwickelte. Gregor Samarow schrieb sechsundsechzig Romane in hundertzweiundvierzig Bänden.

Friedrich Schegk

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